Sonntag. Herbst ist ahnbar. Die Nachkühle wirft Tau über die Kleewiese vorm Haus.
Zum Frühstück ernten wir, was gerade reif ist. Tragen zwei Handvoll Obst ins Haus, Feigen, Mirabellen, drei Physalis. Der Kater tritt zum Kämmen an. Einen große Ball aus Fell trage ich danach auf den Kompost, wo alles zu Erde wird. Dankbar schaue ich auf den grünbesetzten Organismus auf dem wir leben und gehe barfuß durchs Kraut ins Haus zurück. Der Kater genießt unsere Fellpflegeangebote. Dann, zufrieden und mit gefülltem Bauch, stapft er wieder nach draußen, taucht ein ins Gebüsch, wie ein Entdecker in den Dshungel.
Mein Tag liegt vor mir wie ein schwerer Stoff. Das allerdings. Eine meiner Schultern schmerzt, Anspannungen der letzten Tage und Wochen weichen nicht, sondern mehren sich. Ich wünsche mir Ruhe, Abstand, Freiraum zum Arbeiten. Nachts träumte ich einen Anruf meiner Mutter, die mich fragte, ob ich nicht zu Besuch kommen könne. Ich aber saß mit Kollegen zusammen und zählte der Mutter auf, warum es jetzt gerade gar nicht gehe, was alles zu tun sei, gereizt zählte ich auf und das tat mir leid. Dabei wäre es an der Zeit – Zeit zu nehmen, mich um den elterlichen Nachlass, das Archiv, und mein Schreiben zu kümmern. Alles drängt, außen vieles – drinnen vieles andere. Kluge Menschen raten, Prioritäten zu setzen. Ich rate das auch. Und rate und rätsele zugleich, was genau von den Aufgaben ich abstreifen kann. Plötzliche Krisen mischen alles neu. Eine Unterstützung, auf die ich gehofft hatte, verabschiedete sich. Ursachenforschung setzt ein. Einsichten ja, aber auch Selbstrechtfertigung und Schuldgefühle. Die erkenne ich als Altgepräge und fehl am Platze. Trotzdem sind sie da. Als Frau, merke ich immer wieder, wird frau mitunter noch immer schlechter gehört, sogar von ihresgleichen. Und wenn frau dann mit der Faust auf den Tisch haut und mit Bestimmtheit spricht, ist das Erschrecken groß und es wird noch immer als unbotmäßig, aggressiv und unschicklich gewertet. Tja, die alten Muster – viel Zeit hab ich nicht mehr, sie zu heilen, indem ich sie in ihrer Ahnenlinie nachzeichne, erkenne und verabschiede. Einer der drängenden inneren Aufträge. Ich arbeite also. Auch am Sonntag. Es arbeitet. Lebtag eben.